F o t o g r a f i n   Simone Harre


M i t  d e n  A u g e n  a u f  d e r  S u c h e  n a c h  d e m  G l ü c k

"Der Kitsch ist eine spanische Wand, hinter der sich der Tod verbirgt." Das sagt Milan Kundera in seinem Roman Die Unerträgliche Leichtigkeit des Seins. Der Autor belächelt den Kitsch und hält ihn gleichzeitig für notwendig. Er ist ihm Spiel und Trost, die Bewältigung von Leben. Ich sehe im Kitsch vor allem die Suche nach dem Glück. Im Kleinen wie im Großen. Naiv, rührend, bemüht, andächtig, direkt und sehnsuchtsvoll trägt er alle Emotionen der Menschen in sich. Und wie das Glück, ist auch der Kitsch kaum möglich zu definieren, liegt er doch über einem allgemeinen vagen Konsens hinaus vornehmlich im Auge des Betrachters, fixiert und focussiert auf einen einzigen erfühlten, illustratorischen Moment. Auch das Foto ist nichts weiter als das simple Vehikel einer Emotion und kann wie der Kitsch seinem Wesen nach niemals sachlich sein. Der zwangsläufig subjektive Blick macht, dass das entstehende Abbild immer das Ergebnis einer Verfremdung ist. Und doch liegt genau darin das Geheimnis, die Kunst und die wundersame Wandlung, denn nur durch diesen Brennspiegel ist es möglich den Raum von Herz und Wirklichkeit zu öffnen und hinter eine Wand zu blicken. Auch Wirklichkeit war schon immer ein dehnbarer Begriff.

 

Was mich angeht, ich mag die Details, die zufälligen Arrangements von Leben und Alltag, das Beiläufige oder ausdifferenzierte Kleine in einem unbeachtet Großen. Ich mag das Bunte und Strutkurelle, die Farben, die Geschichten hinter Gesichtern und das Helle im Dunklen. In der Fotografie wie in der Schriftstellerei. China bietet mir dabei ein schier unerschöfpliches Spielfeld, denn wie kaum ein anderes Land lässt es auf der Fassade von Grau das lichte Spiel der Gegenwart aufblühen. So sind meine Bilder am Ende weniger auf die Vergänglichkeit hinter der Kulisse, als vielmehr auf das Leben im Nichterwarteten gerichtet, auf den Ort, der sich erst im zweiten Blick erschließt und wo sich ein Vorurteil in Schönheit verwandeln kann - meine persönliche Defintion von Glück. Und ja, um mit einem weiteren Zitat zu enden... schon Chinas Kaiser wusste in der berühmten chinesischen Legende Mulan sehr weise zu sagen:

 

"Eine Blume, die in der Dürre erblüht, ist die seltenste und schönste von allen!" 


China- Immer alles anders